Tiere und Lebensräume am Flimserstein

Die alpine Landschaft rund um den Flimserstein und Cassons ist ein wichtiger Lebensraum für viele Wildtiere. Steile Felswände, karge Bergrücken, alpine Matten und Schutthalden bieten Rückzugsorte für spezialisierte Arten wie Steinbock, Gämse, Steinadler oder Bartgeier.

Mit dem FlemX sind diese Gebiete heute für uns Menschen einfacher erreichbar. Gleichzeitig brauchen Wildtiere genügend ungestörte Räume: Zur Nahrungssuche, zur Aufzucht der Jungen oder zum Energiesparen im Winter. Wer aufmerksam und rücksichtsvoll unterwegs ist, kann die alpine Tierwelt erleben und gleichzeitig zu ihrem Schutz beitragen.

Alpine Lebensräume

Rund um Cassons und den Flimserstein sind alpine Lebensräume zu finden. Die Bedingungen sind rau: Kurze Sommer, lange Winter, starke Winde und wenig Schutz. Trotzdem leben hier viele Tierarten, die perfekt an Fels, Schnee und karge Vegetation angepasst sind.

Gerade in einem ganzjährig viel besuchten Gebiet wie Flims ist es umso wichtiger, dass sich die Wildtiere in ungestörte Gebiete rückziehen können. Dabei sind die offenen Hänge und Felsbereiche besonders wichtig, weil sie Nahrung, Brutplätze und Rückzugsräume bieten.

Tierwelt am Flimserstein

Capra ibex

Steinbock – der König der Felsen

Steckbrief

Lebensraum: Hochgebirge und felsiges Gelände oberhalb der Baumgrenze
Höhenlage: Bis ca. 3’500 m ü. M.
Gewicht: Böcke bis über 100 kg

Die steilen Felspartien rund um den Flimserstein sind wichtige Lebensräume für den Steinbock. Dank ihrer beweglichen Zehen und speziellen Hufe bewegen sich Steinböcke selbst in steilstem Gelände sicher und erreichen Orte, die für andere Tiere kaum zugänglich sind.

Im Sommer halten sie sich meist in hochalpinen Lagen auf. Im Winter suchen sie sonnige und geschützte Felsbereiche auf. Dort sparen sie Energie und finden auch bei Schnee noch Nahrung.

Wusstest du?

  • Im Mittelalter wurde der Steinbock intensiv gejagt und war bis im 19. Jahrhundert in den Alpen ausgestorben. Erst durch Wiederansiedlungen Anfang des 20. Jahrhunderts kehrte er zurück.
  • Steinböcke brauchen starke Nacken: Ihre Hörner können über einen Meter lang und bis zu 20 Kilogramm schwer werden.

Rupicapra rupicapra

Gämse

Steckbrief

Lebensraum: Talsohle bis Hochgebirge, Felswände, alpine Wiesen und steile Hänge
Höhenlage: Bis weit über die Baumgrenze
Erkennungsmerkmal: Schlanke, aufrechte Hörner, mit nach hinten gebogener Spitze.

Die felsigen Hänge rund um Cassons, Nagens und den Flimserstein bieten ideale Lebensräume für Gämsen. Mit ihren elastischen Hufen bewegen sie sich scheinbar mühelos über schmale Felsbänder und steile Hänge.

Im Sommer halten sich Gämsen oft in hohen Lagen nahe von Schneefeldern auf. Im Winter ziehen sie sich in geschützte Gebiete zurück, wo sie weniger Energie verlieren und leichter Nahrung finden.

Wusstest du?

  • Gämsen gehören zu den besten Kletterern der Alpen.
  • Sowohl Weibchen als auch Männchen tragen spitzige Hörner.
  • Trotz der kleineren Hörner sind Rangkämpfe bei Gämsen oft heftiger und gefährlicher als bei Steinböcken. 

Aquila chrysaetos

Steinadler

Steckbrief

Lebensraum: Felswände und alpine Gebirgslandschaften
Spannweite: Bis über 2 Meter
Nahrung: Murmeltiere, Hasen oder junge Gämsen

Hoch über den Felswänden des Flimsersteins kreist mit etwas Glück ein Steinadler. Mit seinen langen, breiten Flügeln nutzt er Aufwinde, um beinahe mühelos über der Berglandschaft zu segeln. Die steilen Felswände bieten Brutplätze für den grossen Greifvogel. Mit seinem aussergewöhnlich scharfen Sehvermögen erkennt der Steinadler Beutetiere bereits aus grosser Entfernung.

Wusstest du?

  • Steinadler leben oft jahrzehntelang mit demselben Partner zusammen, eine sogenannte «Lebensehe».
  • Adlerpaare beanspruchen riesige Reviere von bis zu 150 km².

Gypaetus barbatus

Bartgeier

Steckbrief

Lebensraum: Alpine Felslandschaften
Spannweite: Bis 2.8 Meter
Nahrung: Vor allem Knochen und Aas

Der Bartgeier gehört zu den grössten flugfähigen Vögeln Europas. Mit seiner grossen Spannweite nutzt er Thermik und Aufwinde geschickt aus und kann stundenlang nahezu ohne Flügelschlag über den Alpen kreisen.

Im 19. Jahrhundert wurde der Bartgeier im Alpenraum ausgerottet. Seit den 1980er-Jahren wird die Art erfolgreich wiederangesiedelt. Heute leben wieder mehrere Bartgeier in den Alpen, auch in Graubünden kann man sie mit etwas Glück beobachten.

Wusstest du?

  • Der Bartgeier ernährt sich fast ausschliesslich von Knochen.
  • Er gehört zu den grössten flugfähigen Vögeln Europas.
  • Grössere Knochen lässt er aus der Luft auf Felsen fallen, bis sie zerbrechen.
  • Bartgeier beginnen bereits mitten im Winter mit der Brut, bei Temperaturen bis zu -30 °C.

Eudromias morinellus

Mornellregenpfeifer

Steckbrief

Lebensraum: Karge Bergrücken und alpine Matten mit spärlicher Vegetation
Zugverhalten: Zugvogel zwischen Skandinavien und Nordafrika
Status: Verletzlich (Rote Liste)

In der Schweiz rasten die seltenen Mornellregenpfeifer meist auf kargen Bergrücken während des Zugs im Frühling und Herbst, auch auf den kargen Bergrücken rund um Cassons. Nach einer Reise von mehreren tausend Kilometern benötigt er ruhige Rastplätze, um Kraft für den Weiterflug zu sammeln.

Dank seiner Tarnung bleibt der Vogel oft unbemerkt zwischen Steinen und alpiner Vegetation sitzen. Weil der Mornellregenpfeifer wenig scheu ist, kommen Menschen ihm manchmal unbewusst zu nahe.

Wusstest du?

  • Der Mornellregenpfeifer rastet hier nach einer Reise von über 3’000 Kilometern.
  • Anders als bei vielen Vogelarten übernimmt das Männchen die Brut und die Aufzucht der Jungen.
  • Der Name «Mornell» stammt vom lateinischen Wort für «Narr» - weil der Vogel Menschen oft erstaunlich nahe heranlässt. Er verlässt sich stark auf Tarnung statt Flucht.

Wildruhezone

Sommer: Rücksicht auf Natur und Wildtiere

Der Flimserstein ist ein sensibler Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Besonders während der Brut- und Aufzuchtzeit sind sie auf Ruhe angewiesen. Trage mit deinem Verhalten zu ihrem Schutz bei, indem du ausreichend Abstand zu Wildtieren hältst. Der seltene Mornellregenpfeifer rastet im August und September während seines Vogelzugs auf dem kargen Cassonsgrat. Nach einer Reise von mehreren tausend Kilometern braucht er ungestörte Ruhe, um Energiereserven für den Weiterflug aufzubauen. Führe deinen Hund deshalb während der Mornellregenpfeifer-Schutzzeit vom 18. August bis 10. September bitte an der Leine. Verzichte zudem auf Drohnen sowie auf das Campieren und Biwakieren. Am Flimserstein gilt ausserdem ein Start- und Landeverbot für Hängegleiter (Verlinkung auf Supbpage mehr Infos für Hängegleiter). Vielen Dank für deine Rücksichtnahme.

Winter: Wildruhezone Flimserstein

Im Winter reagieren viele Wildtiere empfindlich auf Störungen. Jede Flucht durch den tiefen Schnee kostet wertvolle Energie, die sie nur schwer ersetzen können. Deshalb schützt eine rechtsverbindliche Wildruhezone grosse Teile des Flimserstein-Gebiets. Vom 20. Dezember bis 30. April gilt dort ein Zutrittsverbot zu Fuss sowie für Wintersportarten. Bitte respektiere die Wildruhezone.

Alp Flimserstein

Von Juni bis September verbringen rund 170 Mutterkühe und 120 Kälber den Sommer auf der 600 Hektaren grossen Alp Flimserstein. Die neue Seilbahn transportiert die Milch ins Tal und steht neu auch Wandernden zur Verfügung. Den stimmungsvollen Abschluss des Alpsommers bilden der traditionelle Alpabzug und das Alpfest in Bargis.

Die neue Milchseilbahn ersetzt die rund 50 Jahre alte Anlage und dient dem Transport von Milch, landwirtschaftlichen Gütern und Alp-Personal. Neu steht sie auch Wandernden zur Verfügung und sichert die langfristige Bewirtschaftung der Alp.

Top